D`Müllere het i`d Suppe gschisse
Karin Felder-Schiffmann 13.12.1952
Dass ich jetzt Malerin bin – dem geht ein langer Weg voraus.
10 Jahre Krankenschwester
10 Jahre Möbelrestauratorin in eigener Werkstatt
10 Jahre Coach und Beraterin in eigener Praxis
Es ist nicht so, dass die Malerei nicht immer schon da gewesen wäre, nur ausgebrochen in der vollen Kraft war sie zuvor nie.
Die Lebensregie hat mich gezwungen, eine grosse Wende mit meinem Leben zu vollbringen. Nachdem ich 2004 schwer erkrankte, erforschte ich bei einer Psychoanalytikerin meine Träume um mich im Leben völlig neu zurechtzufinden. Nichts war mehr so wie es einmal geschienen hat zu sein.
In vielen Sitzungen mit der Analytikerin erforschten wir die Träume. Diesen konnte ich allerdings nur malend Ausdruck geben. So betrachteten wir Bild um Bild. Das war der Türöffner der mir die neue Wegrichtung aufzeigte.
Kaum genesen, besuchte ich sofort viele Kurse an der Züricher Hochschule der Künste. Ein Jahr später absolvierte ich für einige Monate an der Europäischen Kunstakademie in Trier das Grund- und Intensivstudium. Im Grunde fühle ich mich als junge Malerin, nicht von Jahren, jedoch vom Aufbruch in die Welt, mit Sturm und Drang alles aufzunehmen und alles malend und in Objekten umzusetzen. Mein Kunststudium an der Kunstschule Artefact in Bonn 2008 - 2010 bedeutet mir enorm viel und beglückt mich zutiefst.
Schon seit hunderten von Jahren wird das Chlefeli Lied „ D`Müllere het i`d Suppe gschisse“ gesungen.
D`Müllere het, sie het,
D`Müllere het, sie het,
D`Müllere het, sie het,
D`Müllere het i`d Suppe gschisse
Und em Maa dr Grind abbisse.
D`Müllere het, sie het.
Sprache und Sprachfragmente beeinflussen meine Malerei immer wieder ganz entscheidend. Meist als von irgendwoher `eingefallen` kommt eine Begrifflichkeit die sich im Bild manifestieren will. In der Nachforschung erkenne ich die Zusammenhänge und staune, mit welcher Präzision sich oft aussen und innen finden.
`D`Müllere` steht für mich als Lebenskonzept, dass alles in steter Bewegung und Entwicklung ist. Sie tut was so schwierig ist, zerstören. Zerstören ohne zu zerstören und doch verbrauchtes zu sprengen. Diese Malakte auf der Leinwand benötigen meinen ganzen Mut. Dem vielleicht gefälligen, aber nicht kraftvollen Bild den Atem zu entziehen. Ohne diese Zerstörung würden sich tiefere Schichten niemals zeigen. Wenn sich dann das Unbekannte und das Unwissende zeigen, sind das grösste Glücksgefühle meiner Malerei.
In mir wenig bekannten Welten wie der Landwirtschaft und ihren Traditionen erlebe ich dieses Unwissen ganz real. In hunderten von Fotografien halte ich Momente von grösster Schönheit und Intensität fest, Momente die sich einer staunenden Städterin zeigen. An Stierenmärkten, Säulirennen oder Alpabfahrten. Der Stolz des Bauern mit seinem Muni, die Bäuerin die ihre Kühe schmückt, die lustigen Schweine die rennen, dass es das Herz erfreut.
Mit diesem Material erstelle ich mein malerisches Konzept. Ich suche, die Fülle und die Kraft der gewählten Objekte sichtbar zu machen, auch deren Wesenseigenheiten. Mein Malprozess bleibt sichtbar, bleibt nachvollziehbar. Das steht für den Wandel, die Bewegung, die Zerstörung, und die Suche nach der Balance die ich dann herstellen will. Nicht die sichtbare Wirklichkeit erstrebe ich abzubilden, vielmehr die immer wieder bei Null beginnenden Suche und Auseinandersetzung nach den tieferen Schichten. Das Erforschen vom Unbekannten, vom Unwissen. Mit dem aufrichtigen Versuch, nach der Form und der Fülle zu suchen um vielleicht dem Wesen auf die Spur zu kommen.
Die Chance, dass ich schon jetzt eingeladen bin meine Bilder zu zeigen freut mich riesig. Ich weiss von meinen Bildern, dass sie in die Welt raus wollen, dorthin, von woher sie kommen.